Nicht alle Mädchen sind aus Zucker Teil2 & Abschied!

Das Fotoshooting war nur eines der Dinge, die wir vor Leas Abreise gemeinsam gemacht haben.

Plötzlich hat man das Gefühl, man muss noch sooooo viel erledigen.

 

Diverse Einkäufe mussten dringend noch erledigt werden (schließlich zieht mein Kind ans andere Ende der Welt). Drogerieartikel (Shampoo, Duschgel und co. gibt es schließlich nur hier…)Hygieneartikel…und Schmutzfangtücher für die Waschmaschine. Auch das schwedische Möbelhaus musste nochmals besucht werden…auf gar keinen Fall konnte ich mein Kind mit unterschiedlichen Handtüchern losziehen lassen.

2 Tage vor Abflug sind wir 2 dann noch zusammen frühstücken gegangen, den Abschied haben wir bewusst verdrängt.

Der Koffer war gepackt, auch wenn das echt eine Herausforderung war…….32kg Gepäck,1 Gepäckstück, für 1 ganzes Jahr…!!! 11 Paar Schuhe, Kleidung, Kosmetik, Nutella (überlebenswichtig!!), heimlich zugefügte Geschenke, Mitbringsel für Mitbewohner……der Rest fällt mir nicht mehr ein.

Tja…und dann war er da! Der Tag vor dem ich schon die ganze Zeit Angst hatte. Der mich und die ganze Familie überschattete….!

Lea wurde morgens um 6 von ihrem besten Freund abgeholt, der sie zum Flughafen begleitete. Ich selbst fühlte mich dazu nicht in der Lage, der Abschied war schon schwer genug…..nicht auszudenken wie das am Flughafen wäre….

Ich bin also um 5 aufgestanden, um mit Lea noch einen Kaffee zu trinken. beim Weg ins Bad , fiel mir auf, dass meine Augen tränten…..komisch,direkt nach dem aufstehen sehr ungewöhnlich.

Bis ich realisierte, dass ich weinte, hat ein paar Minuten gedauert……ein Desaster, ich wollte doch so stark sein…und jetzt liefen mir unaufhörlich die Tränen, ohne dass ich es irgendwie stoppen konnte. Ich versuchte tief durchzuatmen und lenkte mich ab, indem ich meine Laufklamotten anzog.

Ich musste weg…ganz weit weg. Nur schnell den Abschied hinter mich bringen und los.

Als Leas Abholdienst vor der Tür stand, bin ich mit ihr runter . an der Autotür hab ich sie in den Arm genommen, ihr gesagt, dass ich sie lieb habe und sie auf sich aufpassen soll……! Sie hat genauso sehr geweint, wie ich (beim schreiben dieser Zeilen, laufen mir schon wieder die Tränen, obwohl es vorbei ist..). Ein Blick auf meinen Mann und die anderen Kinder, sowohl auf Leas Freund, hat mir schnell gezeigt, dass es allen so ging…..deshalb musste ich jetzt weg. Ein letzter Kuss auf die Wange und ich hab mich umgedreht und bin gelaufen.

Ohne Ziel…ohne Verstand..ohne Nachzudenken…im Dunkeln.

Weinend und schluchzend bin ich gelaufen wie eine Irre….immer weiter und weiter…ohne Ziel. Ich wollte einfach nur, dass es aufhört…dieser tiefe, mich scheinbar zerreißende Schmerz. Jedesmal wenn ich dachte, es wird besser, ging es wieder von vorne los und ich verlängerte meine Strecke noch mehr.

Ich hab mich gefühlt, wie amputiert….ein wichtiger Teil meines Lebens war einfach weg.

Scheiss auf Wurzel und Flügel…wer soll denn jetzt auf sie aufpassen? Ihr Tee kochen, wenn sie krank ist? Sie trösten, wenn sie traurig ist? Sie verarzten, wenn sie verletzt ist? Ihr einen Rat geben, wenn sie hilflos ist?

Ihr merkt schon……ich habe fürchterlich gelitten. Aber nicht nur ich ….mein Mann hat sich direkt zum Arbeiten verzogen, die beiden mittleren sind zwar brav zur Schule, aber quasi unter Autopilot…..! Die Kleinste lag krank auf dem Sofa und hat nach Lea geweint.

Wie kann man so etwas aushalten? Wie machen das andere Mütter? Bin ich da besonders empfindlich?

Ich weiss es nicht…es ist mir ein Rätsel…ich für meinen Teil musste jedoch trauern. Trauern und weinen….immer wieder aufs Neue.

Ich bin in ihr Zimmer, hab es aufgeräumt und ihr Bett bezogen. Einen Pullover von ihr angezogen,damit ich mich ihr näher fühle. Am liebsten hätte ich mich in ihr Bett gelegt und weiter geweint und gelitten,…aber das entspricht nicht meinem Naturell…..ich musste mich zusammenreißen.

Schließlich sind da noch 4 weitere Familienmitglieder, die mindestens genauso traurig sind wie ich…..!

Als es Mittag war, klingelte es plötzlich (Anrufe und Nachrichten über das Smartphone habe ich ignoriert….ich wusste, dass es dadurch nur schlimmer wurde. )…..vor der Tür stand eine Freundin, die ich eigentlich direkt abwimmeln wollte. Das kam aber für sie nicht in Frage…mit 2 Dosen Prosecco to go und einer Tafel Schokolade stand sie vor mir, hat mich in den Arm genommen,gedrückt und erklärt, dass ich auf die Diät sch*** soll, und wir jetzt zusammen die Schoki und den Prosecco vernichten. Danach ist es bestimmt besser !!!!!! Und das war es auch…zumindest ein bißchen !

Der Tag ging vorbei….wie, weiß ich bis heute nicht! Wir konnten alle weder essen, noch reden. Jeder für sich hat gelitten, auf eine fürchterliche Art und Weise…..darüber reden war quasi unmöglich.

 

Ich bin noch wach geblieben, bis Lea in Seattle gelandet ist und sich kurz gemeldet hat, dann konnte ich ein par Stunden schlafen……!

 

 

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4 Antworten auf „Nicht alle Mädchen sind aus Zucker Teil2 & Abschied!“

  1. Ich kann mir gar nicht denken wie groß diese Veränderung sein kann. Ich leide auch ein bisschen mit, aber Du wirkst zumindest äusserlich inzwischen so, als könntest Du gut mit allem umgehen!! Schöner und ehrlicher Text…

    1. Lieber Markus,
      man kann es sich tatsächlich erst vorstellen, wenn man selbst erlebt.
      Du hast recht, ich kann inzwischen gut damit umgehen. Lea fehlt an allen Ecken und Enden, aber Dank moderner Technik (Videotelefonie & Messengerdienste), hören wir uns fast täglich.
      Liebe Grüße Tanja

  2. Danke für diesen Text! So muß sich meine Mama gefühlt haben – und ich hab es nie so richtig verstanden – für mich war alles so toll und neu, so weit weg von daheim. Bei ihr blieb es wie es immer war und dazu noch war ich weg. Ich werde auch leiden wenn meine Kinder flügge werden obwohl ich es ihnen von Herzen gönne. Ich hatte mit die beste Zeit in meinem Leben bei meinen Auslandsaufenthalten.
    Bleib stark!
    Liebe Grüße, Eitje

    1. Liebe Eitje,
      genau das beschreibt es…! Für Lea ist alles neu und aufregend,sie erlebt wundervolle Dinde und entwickelt sich täglich weiter. Bei uns jedoch ist alles beim Alten, und sie fehlt uns allen sehr.
      Ich danke dir für deine lieben Worte.
      Liebe Grüße

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