Zweiter Meilenstein……Mein erster Lauf !!!!!

Meine Startnummer beim AOK-Frauenlauf Stuttgart

Natürlich stand meine Gewichtsreduktion nach wie vor an erster Stelle, aber um nicht aufzugeben brauchte ich Zwischenziele.

Mein zweiter Punkt auf meiner Liste (..der erste war die Frisur), war ein offizieller Lauf. Der Frauenlauf in Stuttgart war dafür perfekt geeignet. Eine moderate Strecke (7 km), vorwiegend keine Leistungssportler, ausschließlich Frauen (Männer sind immer viel zu gut ).

Bevor ich mich anmeldete,sprach ich das Thema in meiner Laufgruppe an. Meine Trainerin  Sabine   war auch direkt begeistert, und hat uns als Team angemeldet.

Somit wurden 14 Laufmädels angemeldet,die sich auf den Lauf miteinander vorbereiteten. Jeden Samstag gemeinsames Lauftraining und den Rest der Woche auf eigene Faust.

Am 7.April 2018 war es dann soweit. Sabine hat extra T-Shirts drucken lassen. Zum einen, damit man uns als Team erkennt, zum anderen damit wir uns von der Masse abheben, das Laufshirt des Aok-Laufs war einheitlich Pink, unser Shirt ist grau mit orangenem Aufdruck.

In der Nacht vor dem Lauf, hatte ich wenig geschlafen. Schreckliche Kopfschmerzen überschatteten meinen Schlaf. In den kurzen Schlafphasen die ich dazwischen hatte, trieben mich fürchterliche Träume um ( es war alles dabei…vom Sieg im Alleingang, bis zum Erbrechen am Rande der Laufstrecke). Als ich dann um 7:oo Uhr aufgestanden bin, waren die Kopfschmerzen zwar noch latent vorhanden, aber aushaltbar. Mit einem Kohlenhydratreichen Frühstück (der Kaffee durfte natürlich nicht fehlen..), startete ich in einen sonnigen, aufregenden Tag.

Da fiel mir ein, ich hatte gar keine Lauftaugliche Sonnenbrille. Somit schnell nochmal los, in unser Ortsansässiges Sportgeschäft und eine neue Sonnenbrille gekauft. Wieder daheim musste ich erst nochmal meine Kleidung überdenken. Warm genug für eine kurze Hose war es eigentlich, aber passte die auch zu meinen doch noch sehr prominenten Oberschenkeln? Vielleicht wäre die 7/8 Hose doch besser? Oder ich zieh die eine an und nehm die andere mit. Brauch ich eigentlich Wechselkleidung? Vielleicht noch ein Handtuch? Laufschuhe direkt an, oder lieber erst vor Ort? Wieviel Getränke nehm ich mit? Soll ich Verbandszeug einpacken? Brauch ich vielleicht noch ein Lunchpaket? Lauf ich mit Rucksack oder was mach ich mit der Tasche? Deo muss ich unbedingt mitnehmen, oder stinken alle nach Schweiss? Soll ich Kopfhörer mitnehmen? Vielleicht lenkt es mich zu sehr ab, oder  kann ich mich dann besser konzentrieren….?

Ja, ich war definitiv aufgeregt….und zwar nicht zu knapp.

Schnell nochmal zur Toilette (war ich gefühlt zwar schon 200 mal, aber man weiß ja nie…), Glitzerbodyspray auf Arme und Beine (erfrischt und sieht toll aus), Deo erneuern…und los!

Punkt 12:ooUhr war Treffpunkt, alle aufgeregt bis zum Hals! In Fahrgemeinschaften haben wir uns dann auf den Weg Richtung Stuttgart gemacht. Dort angekommen, mussten wir uns erstmal orientieren und nach den Toiletten suchen (schließlich war der letzte Toilettenbesuch ewig her, und kurz vor dem Start gehen bestimmt alle und wir kommen zu spät-nicht auszudenken….).

In einer pinken Masse von knapp 2000 Läuferinnen, gings zum Warm-Up. Die Übungen, die uns vorgeturnt wurden, waren aufgrund der Enge kaum durchführbar. Die Aufregung und Unruhe war fast greifbar. Als die letzten 10 Sekunden rückwärts gezählt wurden,war ich so aufgeregt, dass ich fast geweint habe.

5…4…3…2….1..

Start……es ging los!

Voller Adrenalin und Motivation rannte ich los……ca.5 Meter….dann gab es Stau. Alle wollten gleichzeitig los,was aber natürlich unmöglich war….es wurde geschubst, gedrängelt, lauthals geschumpfen…! Half aber alles nichts, der erste Kilometer war ein reines Gedrängel…! Ich wusste gar nicht wohin mit mir, war völlig verwirrt und definitiv mit der Gesamtsituation überfordert.

Nach etwa einem Kilometer entzerrte sich die ganze Situation.Es gab die ganz Schnellen vorne dran und die ,die zurückfielen, weil sie zu Beginn zuviel Gas gegeben haben. Ein komisches Gefühl, wenn man überholt wird…ist man selber zu langsam, oder sind die anderen einfach alle besser?Am Rand der Laufstrecke waren immer wieder Zuschauer, die zur Motivation applaudiert haben. Bands, die mit Musik für Stimmung gesorgt haben. Dieser pinkfarbene Wurm, der sich durch die Landschaft zog, ein unglaublich emotionaler Anblick.

Ich versuchte ein Tempo zu finden, dass mich die 7 Kilometer überstehen lies.

Überstehen…..ja, das war tatsächlich mein Ziel. Der Lauf entwickelte sich für mich zum Desaster. Die Sonne stand am höchsten Punkt und die Laufstrecke war gänzlich ohne Schatten. Der erste heiße Frühlingstag …..Gefühlte 30° Grad im Schatten, die mein Körper definitiv nicht gewohnt war. Zwei Tage zuvor musste ich morgens noch mein Auto frei kratzen…und laufen war ich bis dato nur in der Kälte gewohnt.

Dazu kamen fürchterliche Schmerzen in meinen Schienbeinen, meine Knochenhaut brachte mich um den Verstand. Einige Male musste ich meinen Lauf unterbrechen…kurz gehen,wieder starten. Ich war den Tränen nahe….so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Heike,meine Laufpartnerin blieb bei mir und motivierte mich zum durchhalten.

Mein Herz schlug bis zum Hals, die Hitze wurde fast unerträglich. Meine Beine immer schlimmer.

Wer zur Hölle hatte diese Laufstrecke geplant? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die letzten 2 Kilometer meine Reserven zu aktivieren…..aber ein Blick auf die restliche Strecke zeigte mir, dass es nur noch nach oben ging. Wir befanden uns direkt unterhalb der Autobahn und da mussten wir ja wieder hoch.

Wie sollte ich das schaffen? Ich hatte keinerlei Reserven mehr, keine Kraft keine Motivation.

Ich überlegt die ganze Zeit, warum ich mir das eigentlich antun musste…was trieb mich an, mich selber so zu quälen? Ich versuchte mich selbst zu pushen, indem ich mir versuchte klar zu machen, dass das meiste geschafft war….wirklich geholfen hat mir das aber nicht.

Ich konnte nicht mehr….noch knapp 200 Meter und ich wollte aufhören!

Da nahm Heike meine Hand und zog mich mit…..komm Tanja, du schaffst das…soweit bist du gekommen, soviel hast du erreicht, gleich ist es geschafft. Sie hatte ja recht….Aufgeben war keine Option….nicht jetzt, kurz vor dem Ziel.

Also ein letztes mal Luft holen, Gas geben, durchstarten, Reserven aktiveren und durch.

Ja, tatsächlich durchs Ziel. Mühsam und unter Schmerzen…aber durch! Als ich die Ziellinie überquert habe, konnte ich kaum noch atmen…mein Körper war am Anschlag,mein Puls bei über 190. Ich bin über meine Grenzen hinaus gegangen. Hab sie quasi gesprengt.

Im Ziel!

Ich wollte die 7km in unter einer Stunde schaffen, bei 53:47 bin ich über die Ziellinie. Ein für mich absolut geniales Ergebnis. Ich laufe seit 6 Monaten, habe meinen Körper, auf jeder Ebene, bis aufs Maximum herausgefordert. Ich war oft an meinen Grenzen, musste meinen Schweinehund überwinden, mich selbst motivieren.

Eigentlich hab ich mir während des Laufs geschworen, nie wieder bei einem Lauf mitzumachen……aber, ich glaube das ist wie diese Sache mit dem Kinder kriegen….ich denke nochmal drüber nach.

Danke Heike!!!!! dass du mit mir durchgehalten hast

Danke Sabine!!!! dass du an mich geglaubt hast

Danke an alle meine Laufmädels!!! schön,dass wir so ein tolles Team geworden sind.

Alb(t)rauf-Runners

 

 

 

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8 Antworten auf „Zweiter Meilenstein……Mein erster Lauf !!!!!“

  1. Liebe Tanja,
    Du sprichst mir aus der Seele! Als eines deiner Laufmädels war mein Motto, das Ganze einfach durchziehen. Warum ich mich zu dem Lauf überhaupt gemeldet hatte, war mir völlig unklar. Sich zu messen und viele Menschen um mich herum sind nicht mein Ding. Und dann die Hitze. Aber, wir alle haben es geschafft. Und das ist das Beste daran! Ich freu mich schon auf deine nächsten Berichte.

  2. Tolle Leistung! Schade nur, dass du dich als Mädel und nicht als Frau siehst und alle Klischees von Pipi bis „ja nicht nach Schweiß riechen“ bedienst. Aber du bist in einem normalen Walking Tempo durchgekommen, das ist für so einen Pulk ja völlig ok!

    1. Ich kenn Tanja noch nicht lange, aber sie ist definitiv der Inbegriff einer Frau und keines ‚Mädels‘. An diesem Tag haben wir uns alle wie junge Mädchen gefühlt, vielleicht wegen der Aufregung oder etwa weil es für uns ALLE der erste Lauf war. Ich finde übrigens die Zeiten waren keineswegs ’normales Walking Tempo‘ für Anfänger wie uns, aber wir trainieren ja weiter auch damit wir irgendwann schneller werden. Alle Frauen dort haben eine tolle Leistung erbracht, jede auf ihr Weise.

      Liebe Grüße, Eitje

      1. Liebe Eitje,
        ich danke dir für deinen Kommentar. Ich sehe mich auch als vollwertige Frau, bin aber auch gerne mal ein „Mädel“ ,einfach weil es mich jung hält & den Ernst des Lebens in solchen Momenten vergessen lässt.
        Ach….und selbst wenn es „Spaziergangtempo“ gewesen wäre, haben wir doch unser Ziel erreicht.
        Liebe Grüße Tanja

    2. Liebe Nadine,
      ich bin mehr als zufrieden mit meinem Ergebnis, da ich erst seit November 2017 laufe und vorher gar keinen Sport gemacht habe.

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