Fußball und ich….ein Desaster!

Tatsächlich ist das Thema Fußball für mich ein Thema, das eigentlich keines ist. Fußball interessiert mich nicht, es löst nichts bei mir aus, außer vielleicht eine gewisse Unruhe.Unruhe deshalb, weil mich die Geräuschkulisse stört. So sitze ich jetzt im Moment an meinem Laptop und höre im Hintergrund den Kommentator der WM, nehme das Gejohle der Zuschauer wahr und vernehme das nervige Gepfeiffe des Schiedsrichters.

Welches Spiel? Keine Ahnung! Denn wie gesagt, es interessiert mich nicht…….eigentlich!

Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Bei 4 Töchtern wusste ich, dass der Kelch des nervigen Herumstehens auf Fußballplätzen an mir vorbeizieht. Meine erste war von Anfang an Hiphop begeistert und zieht das auch seit ihrem 4.Lebensjahr konsequent durch ( in 4 Wochen beginnt sie in Amerika mit Cheerleadertraining ). Die zweite fing mit reiten an, musste es dann aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und hat bis jetzt noch nicht das Richtige für sich entdeckt. Die dritte tanzt seit ihrem 4. Lebensjahr Ballett und ist immer noch mit Feuereifer dabei. Die vierte ging bis jetzt brav ins Mädchenturnen, hat aber ihre persönliche Leidenschaft noch nicht wirklich entdeckt.

Für meinen Mann eher frustrierend…keinerlei Verständnis von seiner Familie, wenn er Fußball schauen möchte, im Gegenteil. Eher noch Genörgel und ein konsequentes Vertreiben vor dem Fernseher.

Doch dann kam diese Wende in unser Leben. Eine Wende, die mich fast um den Verstand bringt, weil es so gar nicht in mein Konzept passt und mit der ich auch niemals gerechnet hätte.

Am 8. April diesen Jahres durften einige Vorschulkinder unseres Kinderhauses Einen Ausflug machen. Das Landwirtschaftliche Hauptfest Stuttgart hat gemeinsam mit seinen Partnern ein Projekt auf die Beine gestellt.

100 Pferde(Holzpferde) für 100 Kindergärten in Baden-Württemberg.

Das erste dieser Pferde wurde zum Projektstart von Lisa&Thomas Müller an unser Kinderhaus übergeben. Diese Aktion fand vor Ort auf dem Pferdegestüt von den Beiden statt.

Eine fantastische Aktion und eine einmalige Chance für die Kinder.

Nachdem die Plätze hierfür begrenzt waren, durften nicht alle mit.

Aber…..Mara war dabei!!!! Sie sah diesem Ausflug sehr gechillt entgegen, denn bis dato hatte sie weder was mit Fußball, noch mit Thomas Müller zu tun. Somit war für sie eher derAusflug zu den Pferden die Aufregung, als die Begegnung mit diesem Fußballstar. Kurz vor derAbfahrt hat sie dann fast noch einen Rückzieher gemacht, als ihr bewusst wurde, dass ich nicht mitgehen werde. Trotz allem ist sie tapfer eingestiegen und abgefahren!

Den ganzen Tag war sie weg. Ein Tag voller Spannung, Aufregung und Abenteuer. Als ich sie am Abend wieder abgeholt habe, war sie sehr müde und musste erstmal die Eindrücke verarbeiten. Viel erzählt hat sie nicht, nur das es schön war (wie Kinder halt so sind….die Mama kommt fast um vor Neugierde, aber die Kinder lassen sich die Würmer aus der Nase ziehen).

Erst Tage später fing plötzlich eine Veränderung an, ganz langsam und schleichend, kaum wahrnehmbar und für mich auch noch gut verdrängbar.

Mara wollte Fußball spielen. Naja, bestimmt nur eine Phase, wir warten es mal ab…! Der Wunsch wurde immer deutlicher und dominanter, für mich aber trotzallem noch gut ignorierbar. Gedanklich hatte ich sie schließlich schon in irgendeiner Tanzgruppe eingefügt. Bis wir eines Tages dem Trainer der Bambinimanschaft aus unserem Ort begegnet sind.

Mara (die bis dahin eher schüchtern und zurückhaltend war) sprach ihn direkt an. Sie wollte wissen, wann das nächste Training ist, und ob sie kommen darf. Daraufhin bekam sie zur Antwort, dass das Training im darauffolgenden Tag ist und sie herzlich willkommen ist.

Ich konnte es nicht fassen…..das hat sie jetzt nicht gemacht, war mein Gedanke. Fußball spielen…..das kann nicht ihr Ernst sein!

Nun gut….bestimmt nur eine Phase! Wenn sie mal merkt, dass man dabei dreckig wird und es auch mal „derb“ zur Sache geht, wird sich die Euphorie schon legen.

Wir also zum Training! Der erste Weg in die Umkleidekabine zu den ganzen Jungs….ich war auf die Reaktionen gespannt. Aber auch da wurde ich überrascht. Die Jungs haben sich irre gefreut, fanden es richtig cool, dass Mara zum Fußball kommt…..und einer hatte sogar extra Kickschuhe für Mara mitgebracht…im Kindergarten hatte sie wohl schon deutlich kommuniziert, dass sie jetzt Fußball spielen will.

Naja, jetzt warten wirs mal ab, dachte ich!

Was soll ich sagen….ich hatte umsonst gehofft! Mara hatte riesen Spaß! Wir mssten direkt am nächsten Morgen in unser Sportgeschäft im Ort und Fußball Equipment einkaufen.

So konnte sie perfekt ausgestattet ins nächste Training.

Ich muss nicht erzählen, wie es mir damit geht. Ich unterstütze meine Kinder in allem was sie tun…..aber noch nie ist es mir so unglaublich schwer gefallen. Dieses Hobby, dass ich bis jetzt so unglaublich gut umschiffen konnte. Jetzt musste ich mich doch noch bei den anderen Müttern auf dem Sportplatz einreihen. Mein Kind anfeuern und bestärken (nachdem ich bis heute keine einzige Fußballregel kann….).

Schon bald kam der erste Bambinispieltag, den ich elegant meinem Mann aufs Auge gedrückt habe (schließlich hat er auf diese Art seinen „Quotenjungen“, mit der er seine Leidenschaft ausleben kann). Ein wildes Gewusel von vielen kleinen, ehrgeizigen Kindern und vielen großen, übereifrigen Eltern. Mara hat sogar ein Tor geschossen, ich war beeindruckt!

Ich bin gespannt, wie lange diese Leidenschaft anhält und hoffe immer noch ein bißchen auf die Tanzgruppe. Sollte sich das ganze festigen, muss ich mich wohl langfristig doch mehr mit Fußball auseinandersetzen, als mir lieb ist. Eine, für mich, sehr große Hürde hab ich schon genommen. Die diesjährige WM 2018 ! Ich ertrage sie tapfer, ohne sie zu boykottieren. Ich lasse mich zu Grillevents an den Deutschlandspieltagen überreden (die Häufigkeit war überschaubar 😉 ) Ich bin zwar immer noch nicht mittendrin, aber dabei!

Nun sind die Deutschen Spieler wieder zu Hause…in der Vorrunde ausgeschieden…..und was soll ich sagen? Ich habe Mitleid, Mitleid mit all den euphorischen,leidenschaftlichen Fußballfans, die so tapfer mitgefiebert haben. Die ihr ganzes Vertrauen in „Jogis-Jungs“ gesetzt haben und so bitter enttäuscht wurden. Sie sitzen immer noch vor dem Fernseher, verfolgen jedes Spiel, aber mit deutlich weniger Leidenschaft.

Mara findet Thomas Müller immer noch „voll cool“ , dass er wieder nach Hause fliegen musste, kann sie nicht verstehen. Bei der nächsten WM ist sie 10 Jahre alt…ich bin gespannt, ob ich dann „mittendrin“ und nicht mehr nur „dabei“ bin!

Sollte die Maus bis dahin immer noch Fußballspielen werde ich wohl auch mitfiebern. Bis jetzt für mich unvorstellbar, aber wie schon zu Anfang erwähnt…. Man wächst mit seinen Aufgaben!

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